Alexander Müller

Der Verteidiger deiner Freiheit: Wer braucht noch Verteidigung?

Vor sechs Jahren habe ich mich entschlossen, wieder als Reservist zur Bundeswehr zu gehen. Dabei ist meine Beziehung zu unserer Armee eine komplizierte; der Zwangs-Wehrdienst hatte mich vor etlichen Jahren politisiert. Den Dienst bei der Bundeswehr fand ich nicht verkehrt, aber die Tatsache, dass der Staat uns damals dazu gezwungen hatte, hat mein Freiheits-Gefühl stark getriggert. Ich habe gelernt, dass man den echten Wert der Freiheit erst dann zu schätzen lernt, wenn man sie nicht mehr genießen kann. Ich bin heute dankbar, dass wir in Deutschland unsere Meinung frei sagen dürfen, dass jeder von uns nach seiner eigenen Fasson politisch aktiv werden darf, dass wir unfähige Regierungen friedlich und demokratisch beseitigen können, dass wir seit 80 Jahren in stabilem Frieden leben, und dass wir frei sind, zu reisen, und durch Fleiß auch etwas Wohlstand aufzubauen. All das ist in vielen Ländern nicht der Fall, und wir sehen im Osten Europas, wie schnell solche Freiheiten vorbei sein können. Der Grund, warum wir in Deutschland von einer Attacke fremder Aggressoren verschont geblieben sind, ist unter anderem die Bundeswehr. Trotz aller Probleme, die unsere Truppe seit gut 20 Jahren plagen, ist sie in der Lage, unser Land zu verteidigen, und potentielle Angreifer abzuschrecken. Daher habe ich mich entschieden, Flagge zu zeigen, wieder als Reservist aktiv zu werden, und für dieses Ehrenamt auch aktiv zu werben. In sozialen Medien schlägt einem dabei viel Hass entgegen, von Menschen, die das Grundgesetz nie gelesen haben, und die glauben, unsere Armee dürfte Angriffskriege führen. Der Ukraine-Krieg hat viele nachdenklich gemacht, jetzt verstehen auch eingefleischte Pazifisten, was passiert, wenn man nicht in der Lage ist, sich gegen einen Angriff zu wehren. Und wer in der Welt etwas herum gekommen ist, kann auch betrachten, wie es sich lebt in Ländern, in denen man die Meinung nicht frei äußern darf, wo man verfolgt wird aufgrund seiner Gesinnung, sexuellen Neigung oder Religion, wo man wirtschaftlich nicht voran kommt, weil Staaten ihre Einwohner als Verfügungsmasse benutzen. Ich bin dankbar für die Freiheiten, die wir hier in Deutschland haben, und ich habe vergangene Woche meine Offiziers-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Die Bundeswehr wird in den nächsten Jahren verstärkt Reservisten brauchen, Menschen, die im Berufsleben stehen, und die bereit sind, einige Tage oder Wochen im Jahr ihre militärischen Fähigkeiten aufzufrischen. Der Fachkräftemangel macht auch vor unserer Truppe nicht halt, und wir müssen kreativ darauf reagieren. Ich will Sie ermutigen, sich ebenfalls zu engagieren, denn auch die Feuerwehr, der ASB, das technische Hilfswerk, die Kirchen, unsere Vereine und viele mehr freuen sich für jeden, der ehrenamtlich Aufgaben für die Gemeinschaft übernimmt. Sie lernen Neues, schließen neue Freundschaften, und leisten wertvolles für die Gemeinschaft.

Alexander Müller mit seinem Offizierbrief an der Offiziersschule des Heeres