Alexander Müller

Ein Denkmal für die polnischen Opfer der deutschen Besatzung 1939-1945 ist lange überfällig

Die deutsche Besatzungspolitik in Polen während des Zweiten Weltkriegs stellt bis heute eine Lücke in unserer Erinnerungskultur dar. Hitler und Stalin paktierten mit dem Ziel, Polen zu zerstören und unter sich aufzuteilen. Vor nun 80 Jahren begann mit dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 nicht nur der Zweite Weltkrieg, sondern auch die Vernichtungspolitik im Osten. Die größten deutschen Konzentrationslager entstanden im besetzten Polen. Beinahe sechs Millionen polnische Staatsbürger verloren während dieser Zeit im Zuge von Massenerschießungen, Zerstörung, Zwangsarbeit und Kriegsverbrechen ihr Leben. Es gibt damit kaum eine polnische Familie,  deren Geschichte nicht vom Leid des Naziterrors geprägt ist.

Ein ausgeprägtes deutsches historisches Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte ist die Grundlage unserer guten Beziehungen zu Polen. Dennoch gibt es heute, 80 Jahre nach dem Überfall auf Polen, in Berlin bisher keinen würdigen Gedenkort, der die Erinnerung an die nationalsozialistische Besatzung Polens lebendig hält und der Trauer Raum gibt. Dabei geht es nicht nur um die Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus, sondern insbesondere auch um die Würdigung und Anerkennung der Geschichte der polnischen Nation und die besondere Rolle des polnischen Widerstands.

Ein Denkmal für die polnischen Opfer der deutschen Besatzung ist damit ein überfälliges Zeichen der Empathie. Gerade in der heutigen politisch angespannten Situation kann die Schaffung eines gemeinsamen Denkmals als erinnerungspolitisches Projekt sowohl in Deutschland als auch in Polen die gesellschaftlichen und politischen Kräfte vereinen.

Im Hinblick auf die historische Bedeutung und Notwendigkeit, begrüße ich es, dass diese wichtige überparteiliche Initiative bereits insgesamt über zweihundertvierzig Unterstützerinnen und Unterstützer hat, darunter allein beinahe die Hälfte der FDP-Fraktion.